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1814 England oder Das Leiden des George Darcy - Teil 1

Der interessante Name: 1814 England (Arbeitstitel, da die mangelnde Kreativität wohl auch auf den Titel übergriffen hatte)
Die begnadete Verbrecherin: Mein durchgeknalltes 16 - 18 Jahre altes Ich
Das eindeutige Genre: Krimi Liebesromanze Wirrer Mischmasch aus all mein bisher geschriebenen Werken, garniert mit Jane Austen-Namen historischer Thriller ohne historisches Setting
Der spannende Plot: Im pseudohistorischen England beherrscht schon seit Jahren der ultimative Bösewicht Mr. Silver ein Imperium der Macht und Gewalt. Im Rahmen der alltäglichen Machtspiele verlangt es ihm nach irgendeinem McGuffin, dass der so ehrenwerte George Darcy nicht herausrücken will. Deshalb killt Mr. Silver logischerweise zuerst dessen Ehefrau und Töchter (und zwei Jahre später dessen Verlobte) und versucht ihn dann anschließend mithilfe von ständigen Drohungen und Entführungen für die Zusammenarbeit zu gewinnen. Überraschenderweise bleiben alle Bemühungen Silvers fruchtlos, weshalb er Trost in seinem Lieblingshobby sucht und Elizabeth Luxton entführt, deren Vater seine Spielschulden bei ihm nicht zahlen kann.
Bei einem nicht ganz freiwilligen Besuch aufs Silvers ominösen Schloss treffen George und Eliza aufeinander, die früher enge Freunde waren äh sich mal auf einer Abendgesellschaft sahen.
Silver kommt auf die geniale Idee, dieses Ereignis für seinen Vorteil zu nutzen und bringt Eliza ebenfalls um äh benutzt sie als Geisel. George findet dies nicht so toll.
Die facettenreichen Schachfiguren: Die weißen Figuren: George Darcy, der edelmütigste, tragischste und aufopferndste Held, der wohl je durch Pseudo-England gewandelt ist und Elizabeth Luxton - die vielleicht ein interessanter Charakter wäre, würde sie nicht nur einzig und allein als Motivator für die selbstlosen Taten unseres leidenden Helden dienen. Der Rest der „Weißen“ sind austauschbare Pappaufsteller, die den ansonsten leeren Familien- und Freundeskreis Georges ausfüllen dürfen. Die schwarzen Figuren: Eine Gruppe brutaler hirnloser Schläger und Vergewaltiger wird von Mr. Silver, dem bösesten aller Bösen angeführt. Als seine rechte Hand dient ihm Jacob Smith, ein widerlicher Widerling. Inklusive im Paket sind Charlotta Benett, in der Rolle der verdorbenen und später geläuterten Hure sowie Mr. Knightley, der seinen Schuldkomplex aufarbeitet, in dem er Missbrauch und Nötigung als gute Tat suggeriert.
Der epische Stil: Nur so vor Pathos triefende Szenen reihen sich neben endlosen Beschreibungen von Gewalt und Missbrauch. Die Dialoge sind so schlagfertig, mitreißend und gewitzt, dass eine Ikea-Anleitung locker mithalten kann. Es ist alles überaus tragisch. Und tragisch. Das einzige historische sind die Jahreszahlen. Handlanger ist das neue Synonym für grausame und gewissenlose Menschen. Jedes Kapitel muss mit einer vagen Orts- und einer genauen Datumsangabe beginnen; Schachtelsätze sind unerlässlich. Würde man statt „England“ „Das Land der Irren“ schreiben, würde alles mehr Sinn ergeben es dem Sinn der Geschichte keinerlei Abbruch tun.
Die fehlerfreie Rechtschreibung und Grammatik: Die Regeln der Kommasetzung und der wörtlichen Rede wurden in den Jahren 2011 – 2013 anscheinend überbewertet.


Achtung Triggerwarnung für den kompletten Verriss!
(Unermüdliche Erwähnung sowie Beschreibung von physischer, psychischer und sexueller Gewalt jeglicher Art, einschließlich Mord.)




Seid gegrüßt,

zu meinen ersten und vermutlich letzten Selbstverriss.
Durch den Corona-Virus aus meiner üblichen Tagesstruktur gerissen, fand ich endlich Zeit meine gesamten USB-Sticks aufzuräumen und zu sortieren. Dabei stieß ich auf die allererste Version meines jahrelangen „Buch-Projekt“ - „1814 England“, welches ich zum Glück nie vollständig beendete. Während ich Datei um Datei sortierte, blieb es nicht aus, dass ich aus Neugierde hineinschaute und das eine oder andere Kapitel las.
Ich wünschte, ich hätte es nicht getan.
Von der mangelnden historischen Authentizität, dem wackeligen Handlungskonstrukt und den blassen Charakteren mal abgesehen, mit denen ich (evtl.) leben könnte, schockte mich vor allem das Ausmaß an Brutalität und Gewalt, der sich durch die gesamte Geschichte zog. Nach dem vierten brutal zusammengeschlagen Charakter und siebten sexuellen Übergriff auf eine Frau innerhalb der ersten zehn Kapitel schloss ich resigniert die erste Datei und öffnete die sechste, in der Hoffnung im Verlauf der Geschichte würde es besser werden, nur um mich in einer Vergewaltigungsszene wiederzufinden.
Ich wusste, dass ich damals keine freundliche nette Geschichte geschrieben hatte und es durchaus einige leicht bekleidete Damen, unangenehme Typen und Folterszenen beinhaltete, aber das es so schlimm war …
Noch nie hat mich eine Geschichte so wütend gemacht und so müde, traurig und frustriert zurückgelassen. „1814 England“ ist das perfekte Beispiel, wie auf keinen Fall eine Geschichte aussehen sollte.
Und doch habe ich sie geschrieben und es anscheinend für in Ordnung gehalten.
Also beschloss ich eine kleine „Schreibtherapie“ zu beginnen, mich aktiv mit den unschönen und noch unschöneren Szenen auseinanderzusetzen, Verbesserungsvorschläge für einige alle missratenen Handlungsstränge zu finden und jede Menge Raum für mehr oder minder kleine aber immer berechtigte Zornausbrüche zu schaffen. Denn dies haben ich und dieses grausige Machwerk dringend nötig.
Und weil ja alles halb so schwer ohne Publikum ist und ich es mir nicht einfach machen will, denn dies verdienen ich und das grausige Machwerk nicht im geringsten, kommt auch ihr in den zweifelhaften Genuss dieses „Werks“. (Wobei ich mich aber bemühen werde die Gewaltszenen so akzeptabel wie möglich zu kürzen, ohne dass der Sinn und Inhalt des Kapitels verloren geht, denn glaubt mir, schon nach der ersten blutigen Lippe möchte man nur noch am liebsten schreien. Oder den Laptop quer durch den Raum werfen. Oder beides.)




Den ersten Teil des Verrisses widme ich meiner Schwester, die schon vor ca. 8 Jahren den so hochwertigen Prolog Probe las und auf meinen Wunsch hin und auf sehr freundliche Art kritisierte. Es ist nicht ihre Schuld, dass ich daraufhin so sehr schmollte, weil ich mich als Schriftstellerin nicht ernst genommen fühlte, dass ich den Prolog nie überarbeitete. Ihre Kritik habe ich dennoch aus unerfindlichen Gründen aufbewahrt.
Und zur Einstimmung kommt hier ihr (zurecht) vernichtendes Urteil.


Liebe Rosalie*, Du wolltest ja, dass ich mir überlege, ob ich das Buch nach dem Prolog weiterlesen wolle. Leider ist es durch die vielen Wiederholungen, Ellipsen und rhetorischen Fragen etwas langatmig, weswegen ich es vermutlich nicht lesen würde – der Schreibstil wäre mir auf Dauer etwas zu langweilig … Obwohl, langweilig ist das falsche Wort. Langatmig ist wirklich passender. Es ist zusätzlich verwirrend, weil Du die Handlung manchmal für endlose Beschreibungen unterbrichst und weil man nicht genau weiß, was nun eigentlich passiert und was George selber denkt. Dir zuliebe würde ich das Buch sicher lesen und mich hoffentlich in der „richtigen“ Geschichte fest lesen können. Aber wenn ansonsten wohl eher nicht … Vielleicht liegt es aber ja auch nur daran, dass es Georges Erinnerungen sind und der Rest des Buches ganz anders geschrieben ist. Dann entschuldige meine Kritik.

* Echter Name geändert.

Noch Lust? Nein? Tröstet euch, ich auch nicht. Aber hey, wenigstens artet der Prolog nicht in endlosen Beschreibungen der Gewalt aus, sondern ist hauptsächlich nur einschläfernd.

Prolog oder Verschanzt in der Bibliothek

Wir befinden uns im Jahre
1808 in London (und in England um genau zu sein, nicht dass hier noch einer glaubt, wir befänden uns auf einer Pazifikinsel)
und starten sofort mit der spannenden Handlung einem Haufen bedeutungsschwangeren Fragen.


Wie ist der Geschmack von namenloser Angst? Von reinem Entsetzen über dieses Geschreibsel, von vollkommener Hilflosigkeit, dies nicht mehr ungeschehen machen zu können? [...] Ist er nicht fassbar, nicht deutbar, nicht existent? […] Oder ist es der Geschmack von Blut und Tränen? Oder doch von Kakao und Zimt?
Für George würde es immer dieser Geschmack bleiben, weshalb er bis zu seinem Tod nie wieder Schokolade essen konnte.

Noch immer alle da? Gratulation, ihr habt es geschafft!

Oh, tut mir leid doch nicht …


Für immer, denn was in jener Nacht geschah, verfolgte ihn bis zu seinem Lebensende. […] Ähm, um es kurzzumachen: George ist stark traumatisiert, weswegen er unter lebenslangen Alpträumen leidet, Schuldkomplex inklusive, und weil dies ja noch nicht genug der Tragik ist, wird er jeden Tag von lustigen Bilder gestalkt. Bilder von Blut und Tränen. Von Blut, das schaurigem Schmuck gleich, Haut und Locken schmückte. Von Tränen die helle Spuren auf blutig geschlagenen Wangen hinterließen. […] Bilder die ihn verfolgten, nicht nur Nachts sonder weit in den Tag hinein, vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen die Gemälde des exzentrischen Künstlers Mr. Silver im Haus aufzuhängen.

Und natürlich auch von interessanten Erinnerungen: Erinnerungen an hilflose Schreie, an höhnische Stimmen, an berstendes Kristall und splitterndes Holz, [...] an eine langwierige Aufzählung belangloser Wörter und die Ausführung missglückter Stilmittel, die die Dramatik und Spannung schüren.

Aber jetzt, geschafft!

Ha Spaß, es kommt noch ein Absatz.


Erinnerungen an eine friedliche Zeit, wo Rosalie am Tag sowie in der Nacht noch an ihrem harmlosen, wenn auch dummen Fantasyroman „Der Ring der Zeit“ schrieb und er und die anderen Charaktere noch den sanften Frieden der Nichtexistenz genießen durften. Doch leider wurde die auf die grausamste Weise zerstört, als sich Rosalie in einer Nacht unbedingt in den Kopf setzte einen hysterischen Thriller, basierend auf einer bestimmten Fanfiction schreiben zu müssen. Es blieb ihnen nichts übrig als voller Entsetzen mitansehen zu müssen, wie Rosalie sich durch all ihre geschriebenen Geschichten wühlte, einzelne Charaktere herauszerrte und diese mit einem fadenscheinigen Anstrich in ihre „neuen“ Protagonisten verwandelte und sich ungeniert an einzelnen Plotsträngen bediente, die zu dem löchrigen Flickwerk der „neuen“ Handlung verflochten wurden.
Sich verwandelte in eine Nacht voller nicht enden wollender Schrecken und dabei war sie so voller Wärme und mit Glück erfüllt gewesen …

Aber jetzt beginnt es wirklich, versprochen.

Unser so glückliches Pärchen ist gerade von irgendeiner nicht weiter für die Handlung relevanten Abendgesellschaft zurückgekehrt und führt ein sich überhaupt nicht gestellt anfühlendes Gespräch.

„Der Abend war einfach herrlich. Es tat so gut wider in Gesellschaft zu sein“ sagte Helena lächelnd.[...] „Die Meine und die unserer Töchter genügt dir also nicht, gut zu wissen“ , neckte George sie und strich ihr eine blonde Locke aus dem Gesicht. „Oh doch, aber sie kann nicht die Gesellschaft von vielen guten Freunden und Bekannten ersetzen. Aber natürlich ziehe ich die Deine aller anderen Gesellschaft vor“ meinte Helena und lehnte sich an ihn. [...] „Da bin ich aber erleichtert, ich dachte schon, ich hätte in dieser Hinsicht versagt“ erwiderte er. [...]

Weil die Handlung wieder droht sich in einem Irrgarten ausufernder Beschreibungen und langatmiger Phrasen zu verlaufen, hier die wichtigsten Informationen zusammengefasst: Helena war eine lange Zeit so ernsthaft krank, dass George fürchtete sie würde sterben. Jetzt geht es ihr aber wieder gut. (Macht mit dieser Auskunft was ihr wollt, aber sie ist für den Plot überaus wichtig.) Zudem ist sie zum dritten mal schwanger und beide hoffen auf einen Sohn. Sie haben zwei gemeinsame Töchter, die zweijährige Constance und die einjährige Harriet.

Und weiter geht es mit der ultimativen Spannung:

Er schenkte ihr einen liebevollen Blick und nahm zärtlich ihre Hand in die Seine. „Komm, du solltest dich ausruhen...“ „Warte oben nicht auf mich“, unterbrach sie ihn, „Ich wollte noch einmal nach unseren Töchtern sehen.[…][...] Auf den untersten Stufen drehte sie sich um. „Oh, mein Buch!“ Sie schüttelte über ihre eigene Vergesslichkeit den Kopf, etwas verlegen entwand sie ihm ihre Hand. „Geh schon, ich bringe es dir“, bot er an […] „Danke, es müsste noch in der Bibliothek liegen, auf der Fensterbank, dort wo ich...“ „Wo du immer sitzt“, beendete er ihren Satz, „ich weiß. Ich werde es dir bringen“
Zärtlich sah er sie an.

Und damit ihr der fesselenden Handlung zum Trotz nicht einschlaft, kommt hier Frage Nummer 1: Was folgt nach „Zärtlich sah er sie an“?

A) Sie geht die Treppe hoch und er in die Bibliothek.
B) „Warum hier die lange Beschreibung von Helena?“ *
C) Er sieht wie Helena kurz stolpert und ihr Gleichgewicht wiederfindet.
D) Nichts, der Prolog ist nämlich an dieser Stelle zu ende.


* Wortwörtliches Zitat meiner Schwester aus ihrer damaligen Kritik

Und es ist … B! Welche Überraschung!

(An jeden der jetzt A, C oder D wählte: Brille vergessen? Notorischer Fußnotenmissachter? Oder schon eingeschlafen?)


Sie war eine sehr schöne Frau. Groß, schlank, mit blonden Locken, hellem Teint und blauen Augen. Zudem trägt sie ein Kleid in ihrer Lieblingsfarbe himmelblau(er), welches ihr sehr gut steht.

Bitte merkt euch das, ist überaus wichtig um die kommenden Ereignisse nachvollziehen zu können. Wirklich.


Und weiter geht es mit der Handlung: „Danke“ Helena löste sanft ihre Hand aus der seinen. Äh, ich meine mit geheimnisvollen Vorankündigungen und rhetorischen Fragen: Sie beide wussten nicht dass diese Berührung ihre letzte für immer sein sollte. Aber sie wussten so vieles nicht. [...] Wussten nicht, das nach so viel Glück so viel Leid kommen würde. Leid was alle ins Verderben stürzte. Aber woher sollten sie es denn wissen? Echt jetzt? Entweder ist George einfach nur strohdumm und weltfremd oder dies ist gerade ein riesiges Plothole, welches zugunsten der Dramatik nicht gestopft wurde. Merkt euch diese letzte Frage bitte, ich nehme später noch darauf Bezug.

Nun darf die gute Helena endlich über zwanzig Zeilen später die Treppe nach oben gehen und George in die Bibliothek.
Dunkel und verlassen lag der Raum da […] Im Kamin glimmte noch die Asche vor sich hin, ein aufgeschlagenes Buch lag auf einem Stuhl, eine leere Tasse stand unter einem üppigen Blumenstrauß. [...] Die ehemalige Anwesenheit der Person war fast greifbar. Helena.
Und weiter geht es mit dem Plot ellenlangen Schachtelsätzen und überflüssigen Informationen oder um es mit den Gedanken der 16-jährigen Rosalie auszudrücken: „Ach Quatsch, natürlich existiert Helena nicht nur, um als Motivator für die Handlungen und Charakterisierung meines so tragischen Protagonisten zu dienen, natürlich nicht. Sie ist eine voll eigenständige Person, wisst ihr? Schaut mal, ihr erfahrt voll viel über sie, bevor ich sie und Constance und Harriet offscreen um die Ecke bringe, damit George leiden kann.“

F*ck dich Rosalie, f*ck dich.

Ich bin es schon jetzt müde, einfach nur müde. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen „Plottwist“ im Laufe dieses Werkes insgesamt herangezogen habe, aber spontan fallen mir so einige Kandidatinnen ein: nebst Helena, Constance und Harriet, fällt auch Georges spätere Verlobte Janet offscreen seinem Widersacher Silver zum Opfer, damit dessen Schuldkomplex noch größer werden kann. Elizabeth Luxton wird im Laufe der Geschichte unermüdlich Gewalt (unter anderem versuchte Vergewaltigung, Prügel, Entführung und Geiselnahme) angetan, um den Plot und damit Georges Geschichte am Laufen zu halten. Lydia, eine der Mägde an Silvers Hof, ist ebenfalls ständigen Misshandlungen und Missbrauch durch die Handlanger Silvers ausgesetzt, um zu zeigen wie grausam diese sind, bis die Geschichte sie einfach vergisst und sie somit spurlos in der Versenkung verschwindet.
Knigthleys namenlose Schwester wird von Mr. Silver noch vor dem Beginn der Geschichte umgebracht, der Grund weshalb sich dieser ihm widerwillig anschließt, von Schuldgefühlen geplagt, dass er diese Tat nicht verhindert hat und um seine restliche Familie zu „retten“.
Jane - „eine der Huren an Silvers Hof“, wird von Jacob Smith zu Tode geprügelt, um zu verdeutlichen, wie brutal er ist. Emily, ein Barmädchen in London, ereilt aus denselben Grund ein ähnliches Schicksal und Charlotta Bennett, seine frühere Geliebte wird von ihm geschlagen und vergewaltigt, damit sie einen Grund hat ihn im Affekt zu töten.

Ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, wie widerlich das Ganze ist.

Aber bleiben wir erstmal bei Helena, denn für all die anderen armen unglückseligen Frauen haben wir später leider noch genügend Zeit und Kapitel.

Weshalb stört mich Helena also so sehr?

1. Nun weil ich weiß, weshalb sie existiert. Natürlich könnte ich einfach behaupten, dass alles sei ein unglückseliger Zufall, aber dies wäre gelogen. Ich weiß ganz genau, dass ich damals extra eine tote Ehefrau für George erschuf, um ihm die düstere und geheimnisvolle Aura von Melancholie und Tragik zu verleihen.

2. Weil George kaum Konsequenzen für sein Verhalten aus ihrem Tod zieht.
1808: Oh, Silver hat meine Ehefrau ermordet? Wie überaus schrecklich, ich habe sie doch so sehr geliebt. Ich bin an ihrem Tod schuld! Ich hätte sie beschützen sollen!
1810: So, ich verlobe mich einfach noch mal. Was? Silver droht mir immer noch? Egal, wird diesmal schon alles glatt laufen.
1811: Warum hat Silver denn nur die arme Janet gemeuchelt? Wie konnte dies nur geschehen? Ich habe sie umgebracht! Sie ist nur tot, weil Silver mich hasst!

3. Weil es selbst wenn es um sie geht, sich im Grunde nur um ihn dreht. Er ist so arm dran, weil er versagt hat sie zu beschützen. Das Helena das eigentliche Opfer ist, wird hier einfach unter den Teppich gekehrt und damit verkommt ihr Tod zum reinen Mittel zum Zweck.

4. Weil sich Georges Trauer nie echt anfühlt, da er mehr um sein eigenes Versagen als um ihren Tod trauert.

5. Weil ich weiß, dass sie bis zum Ende des Romans ein farbloser und austauschbarer Charakter bleibt, trotz der angeblich so hohen Wichtigkeit für George. Weil sich die paar Sätze im Prolog, die dazu dienen sollen, sie zu charakterisieren, wie eingeschoben einfühlen.

6. Weil wir nicht mal wissen, wie genau sie stirbt. Versucht sie sich der Männer zu erwehren? Ihre Töchter zu beschützen? Wurde sie erschossen? Ihr die Kehle durchgeschnitten? usw. Selbst ich als Autorin habe bis heute keine Ahnung.

7. Weil selbst wenn andere außer George über sie sprechen, sie immer nur die "tote Ehefrau" bleibt, als wäre dies ihre einzige Daseinsberechtigung.

8. Und weil ich weiß, dass sie nur die erste Frau in einer Reihe der im Laufe des Buches gewaltsam zu Tode kommenden Frauen ist. Der traurige Beweis, dass ich dies durchaus als reskpektables Stilmittel hielt.

'Seufz'

(Wenn euch generell diese Art von Thematik interessiert, schaut ruhig bei joannalannister vorbei.)

Machen wir weiter ja?


[...] Es gab Tage, da verließ sie fast nie die Bibliothek und zog es vor sich mit einem Buch und einer Tasse Tee auf der Fensterbank zu verkriechen und der Welt zu entfliehen. [...] Mit wenigen Schritten durchmaß er den Raum und tastete nach dem Gedichtband. Er fand ihn sofort, ein schmales, in Leder gebundenes Buch, schon etwas klamm vor Kälte.
Noch mehr unnötige Ausführungen, die einen komplizierten Tanz um zwei mehr oder minder wichtige Aussagen aufführen: Sie las gerne Gedichte, alle Arten von Lyrik. […] Dieser Band, den er in den Händen hielt, war sein erstes Geschenk an sie gewesen.

So, und was jetzt folgt ist nichts als ein erbärmlicher Versuch, die Erinnerung Georges mit der Gegenwart zu verknüpfen. (Der 1814er-George steht in der heutigen Bibliothek, umklammert den so kostbaren Gedichtband und kämpft mit den Erinnerungen der damaligen Nacht. Zu gleicher Zeit steht der 1808er-George in der damaligen Bibliothek, vernimmt die Eindringlinge im Haus und wird anschließend von ihnen überwältigt.)
Jetzt liest es sich zwar als ob der Gute in der Bibliothek damals an Panikattacken litt und deshalb seiner Familie nicht zu Hilfe kommen konnte, was an sich auch ein interessanter Ansatz sein kann, aber leider nicht die ursprüngliche Intention meines 16jährigen Ichs war.


Das Splittern von Holz und Glas riss ihn aus den Gedanken, zerrte ihn jäh zurück in das Hier und Jetzt. [...] Und anstatt nachzusehen, was dieses Geräusch eigentlich genau ist, überlegt er lieber stundenlang, was denn die Ursache sein könnte. Logisch oder? Ein Dienstbote dem etwas hingefallen war? Ein Tisch der versehentlich umgestoßen wurde? [...] Nein, es war was anderes, er spürte es. Einbrecher? Ja, dass musste es sein. „Es sind Diebe, nur ganz normale Diebe, es sind in den letzten Tagen viele Einbrüche in dieser Gegend verübt wurden“ [...] „Sie glaubten das Haus wäre leer oder all seine Bewohner schliefen. Sie wollen nur das Silber, den Schmuck und das Geld. Mehr nicht. Es ist alles gut. Es ist alles gut.“ [...]

Ah, also Diebe, ja?

Gut, das führt mich dann zur Frage Nr. 2: Was wird George jetzt unternehmen?

A) Er geht aus der Bibliothek und erkundigt sich nach der Ursache des Lärms.
B) Er ignoriert die Geräusche, nimmt sich ein Buch aus dem Regal und fängt an zu lesen.
C) Er lässt die Bibliothek die Bibliothek sein und geht in den Garten.
D) Er steht vor der Tür und weiß dann auf einmal dank Plotmagie, wer die Eindringlinge sind.

Und ... Es ist D!

(An alle A-Wähler, es tut mir leid, aber ihr seid einfach zu realistisch eingestellt für diese Art von Geschichte. An alle B- und C-Wähler, habt ihr die Antworten auch wirklich gelesen?)


Und er wusste, er konnte sich nicht selbst belügen. Irgendetwas stimmte nicht, ganz und gar nicht. Er tastete nach der Türklinge, nur um dann wie erstarrt die Hand darauf liegen zu lassen. Die Zeit schien sich ins Endlose zu dehnen. George glaubte Stunden vor der Tür zu stehen und mit einer Entscheidung zu ringen, aber in Wahrheit vergingen nur wenige Sekunden.

Über einen gesamten weiteren Absatz verteilt, können wir George nun dabei beobachten, wie er noch immer vor der Tür steht, während weiterhin beunruhigende Geräusche von draußen hereindringen. Dann kommt ihm aber endlich die Erkenntnis: Sie suchten nach jemanden. Sie suchten nach ihm. Es gab keine andere Erklärung. Ah, und woher weiß er das jetzt?

Er wusste wer sie waren. Wusste was sie taten. Wusste was geschehen würde. Er weiß es also, weil er es weiß. Klingt logisch.
Männer, von denen man überall erzählen hörte. Jeder kannte die Geschichten, nur glaubte man nicht dass eines Tages die Geschichte einen selber treffen würde. Geschichten von Männern, die grausamer und unerbittlicher waren als alles je zuvor gewesene. Männer, die keine Gnade kannten und keine Gerechtigkeit walten ließen. Männer die den Tod brachten.
Ähm, und weshalb weiß jetzt aufeinmal George, dass diese Männer aus den Geschichten bei ihm sind? Hieß es denn nicht noch vor fünfzehn Absätzen "Woher hätten sie es denn wissen sollen?" Wie kann es also sein, dass George etwas aufeinmal weiß ohne es eigentlich zu wissen? Außerdem steht der Typ doch noch immer vor der Tür und glotzt die Türklinge an.
Sehr mysteriös ...
Ach, jetzt weiß ich es, bestimmt machen diese Männer auf eine ganz spezifische Art und Weise Lärm, damit man sie erkennen kann. Ja, das muss es sein.

Aber Moment: Und wer hat denn überhaupt diese gruseligen Geschichten über diese bösen bösen Männer verbreitet? Und wenn diese Geschichten doch so bekannt sind, weshalb hat dann niemand etwas dagegen unternommen?

Gut, ich höre schon auf. Mit Logik kommt man hier nicht mehr weit.


„Nein, nein“ entfuhr es ihm, als er die erschütternde Wahrheit erfuhr, dass Rosalie ihn und seine Gefährten erst nach über vierhundert Seiten Text in Ruhe lassen würde. Namenloses Entsetzen brach über ihn herein, zerriss sein Inneres, ließ ihn schwanken.

Die Angst legte sich wie unsichtbare Fesseln um ihn, bemächtige sich seiner. Angst um seine Kinder, um Helena, um sich selbst. Sie würden sie nicht schonen. Sie würden nicht gnädig sein. Und das weiß er weil ... Plot.
[...]
Er konnte es nicht fassen, nicht begreifen. Er war sich keiner Schuld bewusst, war sich nicht bewusst weshalb sie so bestraft wurden. Natürlich, George. Du weißt nicht, weshalb diese Männer gekommen sind. Aber du weißt, dass sie deinetwegen gekommen sind. Bist du dir sicher, dass du dir da nicht ein bisschen wiedersprichst? [...]
Noch mehr phrophetische Aussagen und Vorahnungen:
[...]
Niemand würde diese Nacht überleben. Niemand. Es war so sicher wie auf jeden Tag eine Nacht folgte. Denn diese Männer hinterließen keine Überlebenden und nur der Wind war Zeuge der abscheulichen Taten, die von ihm flüsternd weitergetragen wurden, bis sich alle fürchteten.

Er musste sie beschützen, sie warnen.

Frage 3: Was wird George wohl jetzt machen?

A) Er eilt aus der Bibliothek, stürzt zur Treppe und versucht seine Ehefrau zu warnen.
B) Er bewaffnet sich mit irgendeinem Gegenstand und tritt den Eindringlingen bewaffnet entgegen.
C) Er nutzt seine ihm auf einmal gekommenen und vorher nie erwähnten Superfähigkeiten um seine Familie zu retten.
D) Gar nichts.

Und richtig ist …

Antwort D! Jubel, Trubel, Heiterkeit.

(An alle die A, und B gewählt haben: „Danke, dass ihr noch immer Hoffnung für diese Geschichte habt.“ Und an die C-Wähler: „Wirklich? So tief bin ich nun auch wieder nicht gesunken.“)

Es folgt ein ellenlanger Absatz, in dem der 18o8er-George noch immer bewegungslos im Raum steht, dann eine Blumenvase umschmeißt, an deren Scherben er sich die Finger aufschneidet und der 1814er-George der einmal in Ohnmacht fällt. Garniert ist alles mit prophetischen Aussagen und missglückten Stilmitteln.

Zeit für Frage Nr. 4: Na, könnt ihr erraten welcher George in jeder einzelnen farbigen Zeile gemeint ist?


George griff erneut nach der Klinke, doch sie entglitt ihm. [...] Jeden Moment meinte er erneut ihre flehenden Stimmen, ihre Schreie der Angst zu hören. Ihr Blut zu sehen was den Boden tränkte. [...] Noch, noch gab es eine Chance sie zu warnen, noch vor den Männern bei ihnen zu sein, eine hauchdünne Chance ... Die Wirklichkeit entglitt ihm. [...] Er stolperte. Riss im Fall den Tisch samt Blumenvase mit sich.[...] Schmerz erfasste seinen Körper als ob er brennen würde, aber wenigstens holte der Schmerz ihn zurück in die Wirklichkeit. [...] Konnte kaum atmen. Schwankte erneut. Stolperte zu Boden. Zerschnitt sich die Finger am zerbrochenen Glas. [...] Blut rann über seine Haut, warm und rot. Tropfte zu Boden, tränkte den Teppich. Sein Blut war das erste gewesen was an diesem Abend vergossen wurde. [...]Stolpernd richtete er sich auf, er musste zu ihnen, so schnell es ging. Es war noch nicht vorbei. Es hatte noch gar nicht erst richtig begonnen.

A) 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 1808er-George; 1808er-George

B) 1808er-George; 1814er-George; 1808er-Daenerys; 1814er-Fuchs; 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 7065er-George; 1808er-George

C) 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 1814er-George; 1808er-George; 1808er-George

D) 1858er-George; 1814er-George; 1808er-George; 181499er-George; 1808er-Frieda; 1814er-George; 1908er-George; 1808er-George; 1808er-Georgiane


Und ... es ist A! An alle die A wählten, gutgemacht! Ihr könntet euch ehrlich freuen, dass ihr so gut darin seit, willkürliche Antworten wilkürlich gewählten Sätzen zuzuordnen. Tut mir leid, aber ich habe nämlich auch keine Ahnung mehr, was zu was gehört.)

(An alle anderen, ist euch denn gar nicht aufgefallen, dass dort irgendwelche anderen Jahreszahlen und Namen standen? Oder das die einzelnen Farben nicht dem Farbschema der Sätze entsprachen und die Anzahl der Georges nicht mit den Sätzen übereinstimmte? Das genaue Lesen sollten wir noch mal üben.)

[...]
Sich nähernde Schritte. Barsche Stimmen, dreckiges Gelächter. Krachen, als ein Möbelstück um gestoßen wurde. [...]
Die Tür flog auf, das Holz brach unter ihren erbarmungslosen Tritten. [...] Ungeachtet all der Möbel bahnten sie sich ihren Weg , weil sich Georgeanscheinend offscreen in der Bibliothek verschanzt hatte. Auch eine Lösung.

(Und damit auf jeden Fall klar ist, dass diese Männer hier ultimativ böse sind, zerstören sie erst mal anschaulich geschildert die komplette Bibliothekseinrichtung.)

Zum Schluss noch eine allerletzte Frage.
Frage 5: Und wie handelt George jetzt?

A) Er öffnet eines der Fenster und wagt eine Flucht.
B) Er versucht die Männer zu bekämpfen.
C) Wie immer. Er steht passiv in der Gegend herum.
D) Er versucht mit den Männer zu verhandeln.

Und die Antwort ist …

Überraschung! C)!

(An alle die A), B) oder D) gewählt haben, lest euch noch mal in Ruhe die Antwortsmöglichkeiten durch. Glaubt ihr wirklich, dass so etwas aufregendes noch passiert?)


Er hob den Kopf, wandte seinen Blick zur Tür und erstarrte. […] Erstarrte vor reinem Entsetzen. Das Buch rutsche ihm aus schweißnassen Händen, fiel mit einem dumpfen Aufprall zu Boden. […] Und weit, weit entfernt in einer anderen Welt hob George das Buch auf, drückte es an sich, als könne er so all diejenigen, die er liebte, vor der namenlosen Gewalt, die über sie herein brach, schützen.

Na, wisst ihr jetzt welcher der beiden der 1808er-George ist? Diesmal ist es einfach, versprochen.

Juhu, der Prolog ist vorbei! Soll ich noch etwas motivierendes verraten? Ab jetzt wird es immer schlimmer, bevor es besser wird.
So machts gut, bis zum nächsten mal.

P.S. 1808er-George: Von "Er" bis "Boden"

Tags: fandom : original : 501-550, genre : selbstverriss 051-100, jaeger : rosalie95, verrisse : 1651-1700
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