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"The Curse" - Teil 1: Mir fällt ehrlich kein Titel ein, der dieses...Ding... beschreiben könnte

Titel der Geschichte: The Curse
Fandom: Original...Ägyptenmist...Fäntäsi...oder so.
Name des Autors: Artemis4ever


Der langweilige Plot: Suelene gerät in Gefangenschaft des evöll-perversen Pharaos Ramses-Schrumpelhoden, der in seinem Thronsaal eine römische Arena betreibt. Stulonis leidet gar schrecklich vor sich hin und muss sie retten. Charaktere können random zaubern.
Die Antiqualität der Charaktere: Alle Charaktere erfüllen alle Klischees schlechter Geschichten, die überhaupt existieren. Alle. Die Protagonisten sind Mary-Sue und Gary-Stu aus dem Lehrbuch, komplett mit Zauberkräften und aus dem Arsch gezogenen modernen Ansichten und „Erfindungen“ - wie der Pille und einem Himmelbett. Alle anderen männlichen Charaktere sind böse oder böse und dazu noch pervers. Alle anderen weiblichen Charaktere sind böse Schlampen oder beweihräuchern Sue und Stu.
Entnervende Macken im Stil: Moderne Umgangssprache in historischem Setting. Dauernd. Die Prosa ist so rosa, dass es Augenkrebs verursacht.

Huhu,

hier mein neustes Opfer mit herzlichem Dank an quillsinmyhair, die mich auf dieses Monstrum aufmerksam gemacht hat. Auf geht’s zum (noch recht harmlosen) ersten Teil!


Laut Autorin befinden wir uns im Jahr 1089 v. Chr.: "Eine Welt, in der der todbringende Pharao Ramses die Ägypter fest in seinen Fängen hält. "

1089 v. Chr. regierte Ramses XI. ... und der war eine eher tragische Figur und hielt die Ägypter ganz sicher nicht "fest in seinen Fängen".

In den knapp 30 Jahren seiner Regierung hatte er mit einem Bürgerkrieg, der letztendlich zu einer Spaltung des Reiches führte, dem daraus folgenden Zerfall staatlicher Autorität (was wir unter anderem daran sehen, dass du dieser Zeit massenhaft Königsgräber geplündert wurden), einer Wirtschaftskrise und einer Hungersnot zu kämpfen. Er war der letzte Herrscher seiner Dynastie, die mit ihm zu Grunde ging. Mit dem armen Mann hätte ich nicht tauschen wollen.

Historische Verortung also versaut, aber es ist ja nicht so, als hätten wir etwas anderes erwartet.

Ich warne euch noch einmal vor: In Sachen Recherchefail ist diese Geschichte ganz, ganz schlimm. So ziemlich alles, was die Autorin beschreibt, enthält einen Recherchefehler. Alles. Ich führe deshalb gleich zu Anfang einen Counter ein, der in dieser Geschichte explodieren wird:

Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 1 [Historische Verortung grundsätzlich versaut]

Pro fünf Einsätze des Counters gibt es ein schönes Bild der verzweifelten Re-Cherche. Ich werde einige brauchen.

Jetzt aber auf in die Geschichte zu unserer Sue zauberhaften Protagonistin:

Kapitel 1:

Wie so oft arbeitete ich unter der strengen Aufsicht meines Vaters Kek.


Hier habe ich mich beinahe schon gefreut, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass die Benennung des Vaters Zufall und nicht Recherche geschuldet ist. "Kek" ist nämlich immerhin ein ägyptisches Wort. Kek ist eine ägyptische Gottheit der Achtheit von Hermopolis und steht mit seiner Gemahlin Keket für die Urfinsternis.

Er ist sogar als Name für Privatpersonen belegt. Wenn man mir also plausibel erklärt, dass der gute Mann aus Hermopolis Magna stammt und deshalb nach einem Ortsgott benannt wurde...bitte. Lasse ich durchgehen.


Ich war die einzige Töpferin seines Keramikgeschäftes und verbrachte viele Stunden damit meine selbstgeformten Gefäße zu erstellen.

Die Arbeit mit der Drehscheibe war mühsam und schadete mit jeder Minute, des gekrümmten Sitzens, meinem Rücken.


Awwww..... ist sie nicht nicht arm. Da muss sie doch tatsächlich wie der Rest der Bevölkerung für ihren Lebensunterhalt arbeiten! In einer Töpferei! Unverschämtheit!


[Trotz allem... ]


Liebte ich es den feuchten Ton zu formen, ihn zu glasieren, ihn zu brennen und schließlich kunstvoll zu bemalen.

Denn mit diesem letzten Schritt konnte ich vor allem meiner Kreativität freien Lauf lassen.


head->desk


Wenn du nicht die üblichen von Kunden gewünschten Gefäßformen herstellst und die so dekorierst, wie die Kundschaft es möchte und es üblich ist, kauft den Schrott keiner. Damals war da nicht viel mit Kreativität. Oder wie erklärst du es dir sonst, dass sämtliche Keramik, die man aus einer Epoche findet, sehr, sehr ähnlich aussieht. Weil jeder Töpfer machen konnte, was er wollte? So funktioniert Wirtschaft nicht. Zu keiner Zeit.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 2 [Handwerk zu dieser Zeit hatte gar nichts mit „der Kreativität freien Lauf lassen“ zu tun]


[Die Sue nimmt fertig gebrannte Gefäße aus einem falsch beschriebenen Ofen, stellt sie zum Abkühlen auf und möchte nun Gefäße bemalen. Ja. Mit Farbe. Farbe, die sich ein kleiner Zweimann-Töpferbetrieb im Leben nicht leisten konnte. Zu einer Zeit, in der bemalte Keramik in Ägypten so gut wie nicht hergestellt wurde, weil diejenigen, die sich sowas überhaupt leisten konnten, den Kram meist gleich importiert haben. Und die, die hergestellt wurde, vor dem Brand schlicht rot oder schwarz dekoriert wurde.]


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 3 [So sieht weder eine ägyptische Töpferwerkstatt, noch ein Gefäß des späten Neuen Reiches aus]


Mit den Gefäßen im Arm, gelang es mir, mich zurück auf meinen hölzernen Hocker zu setzen. Applaus für die Sue, bitte!


Ich war erleichtert, - sich auf einen Hocker zu setzen gehörte zu meinen größten geistigen Herausforderungen - doch mein Vater bemängelte nur:

„Keine Zeit zum Ausruhen, Selene. Los, marsch an die Arbeit!“


Selene. Die Tochter eines kleinen, ägyptischen Töpfers heißt Selene.

Ja, genau wie die griechische Mondgöttin, die frühestens um 800 v. Chr. das erste Mal textlich erwähnt wird. Ihr Vater muss ein weltgewandter Zeitreisender sein.

Gut, dass die mit Sicherheit nicht schreiben konnten. Das Ägyptische zu dieser Zeit hat nämlich nichtmal wirklich eine Möglichkeit den Laut "l" sinnvoll auszudrücken, da dieser Laut sich in der ägyptischen Sprache schon von Beginn an mit anderen Sonorlauten vermischt und wenn überhaupt notwendig (wie bei Fremdworten) meist mit den Zeichen für "n" oder "r" geschrieben wurde. Das griechische Σελήνη hätte ein Ägypter dieser Zeit vermutlich weder korrekt aussprechen noch schreiben können, selbst wenn dieser Name schon existiert hätte.

Das ist für mich eine ganz neue Ebene des Namensfails. Da gibt jemand seinem Hauptcharakter einen Namen, der in dessen Muttersprache weder vernünftig ausgesprochen noch geschrieben werden kann. Gut gemacht.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 4 [In Muttersprache unaussprechlicher Suename]


[Suelene ärgert sich ein bisschen über ihren Papi, stellt aber fest, dass er sie tief drinnen sicher lieb hat. Dann nimmt sie eine ebenfalls falsch beschriebene Farbpalette und anderes Werkzeug aus dem Regal und mischt unnötig ausführlich beschrieben Farbe an.]


Ich versah einen dicken Pinsel mit violetter Farbe und bestrich eine Vase von allen Seiten.


Violett, eine der teuersten Farben überhaupt, die zu dieser Zeit in der Dekoration von Keramik nicht verwendet wurde head->desk . Kein Wunder, dass das Töpfereigeschäft nicht gut läuft und die arm sind.


[…]


Ein Tonkrug war dabei bereits am gestrigen Tage von mir gelb bemalt worden, sodass ich nun einen feinen dünnen Pinsel zur Hand nahm.Ich tauchte diesen in ein kräftiges Schwarz und fing an Phönixe, Flügelsonnen sowie Lotusblüten zu gestalten, die ich einfach so irgendwo auf das Gefäß malte, weil diese Symbole überhaupt keine symbolisch-religiöse Bedeutung hatten und einfach nur schick waren. Und weil sie in dieser Zeit zur Gefäßdekoration verwendet wurden. Nicht.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 5 [Ägyptische Symbolik ist keine willkürliche Deko, sondern bedeutet etwas]


[Suelenes Vater taucht auf und geht mit einigen ihrer „Werke“ auf den Markt, um sie zu verkaufen. Ich rechne ihm sehr geringe Chancen aus.]


Ein paar Verbesserungsvorschläge zu diesem Kapitel, das an sich ja nicht viel Handlung hat und wohl nur das Setting bilden soll. Wahrscheinlich möchte die Autorin hier demonstrieren, wie toll sie recherchiert hat. Es misslingt, da schon nach wenigen Sätzen sehr klar wird, dass sie sich offenbar nicht einmal die Mühe gemacht hat, Google zu benutzen.


Wenn du ein historisches Setting mit einem real existierenden historischen Herrscher wählst, dann ist es sehr, sehr doof, die Informationen, die über diese Zeit vorliegen, zu ignorieren.


Welche politischen Ereignisse gab es? Deine Geschichte spielt zu Zeiten eines Bürgerkriegs, der schließlich zur Spaltung des Reiches führte! Merkt man davon in dieser Geschichte irgendwas? Nö.


Was für ein Mensch war der Herrscher? Wie reagierte er auf die ihm gestellten Aufgaben? War er ein Feldherr und Eroberer? Ein Intellektueller? Ein Reformer? Jemand der auf Propaganda und Prunkbauten setzte? Eine Marionette seiner Berater? Ein sehr alter, kranker Mann?


Wo und wie lebten die einfachen Menschen? Zur Zeit Ramses' XI. gab es eine Hungersnot, Missernten, einen Bürgerkrieg und Plünderungen. Meinst du nicht, dass das das Leben der einfachen Leute möglicherweise etwas beeinflusst hat?


Wenn deine Sue die Tochter eines Töpfers sein soll:

Wie sah die verdammte Keramik aus? Wie arbeitete ein Töpfer? Wie sah seine Werkstatt aus? Wer konnte sich bemalte Keramik (und deren Herstellung) überhaupt leisten? Was bedeutete die Symbolik auf den Gefäßen? Dazu gibt es Funde, Darstellungen und Berichte. Das liefert dir sogar Google.


und so weiter ...


UND


Gib deinen Charakteren Namen, die zu ihrer Zeit und in ihrer Sprache überhaupt existieren, aussprech- und schreibbar sind!


^^ Wenn dir das alles zu viel Arbeit und Aufwand ist, dann schreib in einer fiktiven Welt und nicht in einem realen historischen Setting. Punkt.


Und hier das erste Bild der armen Re-Cherche für euch. Sie wird noch viel zu leiden haben:


mourner-in-tomb-of-roy

Kapitel 2:


[Suelene sitzt noch immer herum und bemalt Töpfe]


Ich versah sie gerade mit altägyptischen Schutzformeln und -symbolen – die ich weder verstand noch schreiben konnte, weil ich nur die verdammte Tochter eines Töpfers war- , als ein Mann in den Laden hereintrat.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 6 [Die Tochter eines verdammten Töpfers konnte weder lesen noch schreiben – auch keine Schutzformeln!]


[Auftritt Stu. Natürlich ist er groß, muskulös und hot.]


„Solonis! Schön dich zu sehen“, begrüßte ich ihn und strahlte über beide Ohren.


Ich muss den Namensrant nicht noch einmal wiederholen, oder? Solonis, der Ägypter mit einem lateinischen Genitiv zum Namen. „Solonis“ bedeutet „des Solon“. Sonst nichts. Gut gemacht, Autorin. Da hat dein Lateinwörterbuch dir hervorragende Dienste geleistet. Nicht.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 7 [Arrrrrgh! Das ist nichtmal ein Name, verdammt!]


Denn es war mein zwanzigjähriger Freund, der als Wächter im Palast des Pharaos arbeitete und irgendeinen guten Grund haben musste, um mit 20 nicht längst verheiratet zu sein, obwohl er als Palastwächter durchaus eine Familie versorgen könnte.


Der aufgrunddessen einen goldenen Brustpanzer über seine weiße Toga trug, denn, wie jeder wusste, war Gold das perfekte Material für Rüstungen – leicht, günstig und stabil - und die Toga ein klassisches Kleidungsstück im alten Ägypten... besonders für Angehörige des Militärs.


und nicht wie jeder andere Wächter mit Schild und Schwert bewaffnet war. Jaja, ägyptische Soldaten mit Toga, goldenem Brustpanzer, Schild und Schwert...

weapons7

Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 8 [So sieht kein königlicher Leibwächter oder Soldat aus. Ganz abgesehen davon ist ein Brustpanzer aus Gold in jeder Kultur Blödsinn, wenn darin wirklich gekämpft werden soll]


Nein, denn Solonis war ein Hexer, ein Herr des Stabes. Und wies somit lediglich einen Zauberstab in seinen breiten, hellbraunen Ledergürtel auf.


head->desk

Bevor ihr fragt... nein, „Herr des Stabes“ ist kein ägyptischer Titel. Verschiedene Stäbe wurden von sehr vielen ägyptischen Beamten getragen, genannt wurde so aber niemand.

Zauberer trugen übrigens keine Stäbe. „Zauberer“ an sich existierten natürlich... wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, denn im alten Ägypten waren (logischerweise) die Grenzen zwischen einem Zauber, Priester und Arzt sehr, sehr fließend und weniger eine Frage des angeborenen Talentes, sondern des angelernten prestigeträchtigen Geheimwissens. Im Grunde konnte jeder, der im Besitz dieses Wissens war, auf eine Art „zaubern“.

Der Hofzauberer eines Pharaos trug den Titel „Cheri-hebet", was im Deutschen häufig mit "Vorlesepriester" wiedergegeben wird – eine Übersetzung, die dem magischen Charakter des Amtes nicht ganz gerecht wird. Aber diese "Vorlesepriester" entsprechen wohl am ehesten dem, was wir heute so unter "Zauberer" verstehen, wie uns auch die Wundergeschichten des Papyrus Westcar zeigen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_Westcar#Erste_Geschichte

^^ Seht ihr? Ein Wikipedialink. Diese lustige Datenbank, auf die jeder Hobbyschreiberling mit Internetzugang zugreifen kann, statt sich Möchtegernfakten aus dem Arsch zu ziehen.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 9 [Das ist kein verdammter Titel und so funktioniert altägyptische Magie nicht!]


[Stulonis betritt die Töpferei und schnuppert an Suelene herum]


Ich küsste ihre Wange und gratulierte:


„Alles Gute zum Geburtstag!“


Wohltuende Flammen züngelten dabei noch immer auf meinen Lippen. Also wenn meine Lippen anfangen, wie Feuer zu brennen, nachdem ich jemanden auf die Wange geküsst habe, mache ich mir Sorgen, mit was der mich wohl infiziert hat. Igitt!


[Suelene guckt traurig. Stulonis fragt, ob ihr Vater an ihren Geburtstag gedacht hat. Denn als bettelarmer Töpfer sollte er ihr eine Party schmeißen oder so...]


„An meinen Geburtstag? Nein, nur an die Arbeit, die meinen faulen Arsch ernährte, und die Tatsache, dass ich im letzten Monat ein einziges Gefäß zerbrochen hatte, was einen hohen Verlust für unser Geschäft bedeutete, der Unmensch!“, klagte sie vorwurfsvoll, doch ich kannte etwas womit ich ihre Stimmung zu heben vermochte.


„Vergiss ihn einfach. Ist doch egal wenn dein alter Vater wegen dir pleite geht und verhungert. Denn das einzige was wirklich zählt sind wir, bist du, Selene“, offenbarte ich ihr und war von unbeschreiblichen Glück erfüllt.


[Blabla rosa Prosa. Flashback zu dem Zeitpunkt, zu dem sich die beiden Täubchen kennengelernt haben. Der junge Stulonis rennt Suelene auf dem Markt um. Wie romantisch.]


Es war unsere erste Begegnung. Ich als Knabe von 16 Jahren und sie ein Mädchen von 14.


Wir rechnen also mal... wenn Stulonis jetzt 20 ist, ist Suelene 18... und die beiden sind seit vier Jahren zusammen. Und sie sind weder miteinander verheiratet, noch hat einer der beiden mit jemand anderem eine Familie gegründet. Höchst, höchst unwahrscheinlich. Da der Stellenwert des Ideals „Familie“ sehr hoch, Kinder die einzige existente Altersvorsorge, die Lebenserwartung recht gering und die Kindersterblichkeit hoch war, fing man logischerweise sehr früh mit dem Kinderkriegen an.

Mit 18 Jahren wäre zumindest Suelene wahrscheinlich bereits Mutter.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 10 [So funktioniert ägyptische Familienplanung nicht]

Und wie versprochen ein weiteres Bild der leidenden Re-Cherche:

isismourning

Hier mal ein paar logischere Varianten als Vorschlag:

- Suelene und Stulonis sind beide jünger (meinetwegen 14-15 und 16) und wollen heiraten, sind aber bereits anderen versprochen, oder Stulonis ist zu arm um eine vernünftige Partie für Suelene zu sein → extrem klischeehaft, aber möglich


Mir persönlich lieber, weil realistischer, wäre...

- Suelene ist 18 und bereits Witwe, weil ihr Mann, mit dem sie im passenden Alter verheiratet wurde, und das gemeinsame Kind an einer Seuche eurer Wahl vor Kurzem verstorben sind. Deshalb lebt sie auch allein bei ihrem Vater und muss in der Töpferei kräftig mit anpacken – schließlich fehlt die Arbeitskraft ihres verstorbenen Mannes. Sie und Stulonis kannten sich, bevor sie verheiratet war, und waren verliebt, mussten sich aber trennen, weil Stulonis zu arm war und nicht für Suelene hätte sorgen können und ihr ein Leben in totaler Mittellosigkeit mit ihm nicht antun wollte. Aus Verzweiflung nahm er an einer Expedition, einem Feldzug o.Ä. teil. Jetzt kehrt Stulonis mit 20 zurück (ist wegen seiner langen Zeit im Ausland noch nicht verheiratet) und -le gasp- seine große Jugendliebe ist frisch verwitwet und er hat auf seiner Reise einiges verdient, weshalb er plötzlich eine Chance hat.

^^^Aber dann könnte man aus den beiden natürlich keine schmalzigen, naiven Jungfrauen machen... mein Fehler. Zurück zur rosa Prosa:


Ein Moment, der alles veränderte. Der uns seitan zu Feuer und Flamme werden ließ. Spontane Selbstentzündung mitten auf dem Marktplatz kommt sicher gut. Endlich erfahren wir den Grund für das große Feuer in diesem Jahr, das das halbe Viertel vernichtete...

[...]

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Keusche, unschuldige Liebe.


Hach, ja... wie romantisch.


[Bla bla „Ich liebe dich.“ - „Ich dich auch“]


„Und weil ich dich liebe, habe ich ein Geschenk für dich.“


Ich zauberte eine selbstgeschnitzte sowie bemalte Holzschatulle hervor. Sie war rechteckig und wies die Größe eines Unterarmes ohne Hand auf und war damit ein geradezu unverschämt wertvolles Geschenk. Holz in dieser Größe, das sich für so etwas eignete, war in Ägypten selbst selten und dementsprechend teuer. Farben auch.


Ich sage nicht, dass Stulonis so etwas nicht haben könnte. Aber erklär es mir. Sag mir, er hat auf seiner Expedition/seinem Feldzug irgendwo in der Levante dieses Holz gefunden/gekauft/erbeutet und es so lange aufbewahrt und nach Ägypten zurückgebracht, um daraus ein Geschenk für seine große Liebe machen zu können. Viel romantischer und durchdachter als „Er hat halt eine schweineteure Holzschatulle, weil Keks“.


[Suelene ziert sich, weil die Schatulle offensichtlich teuer war, nimmt sie aber dann.]


Sie schüttelte den Kopf und fuhr nochmals über die, auf dem Deckel, abgebildete Weltanschauung.

Diese war eine runde, goldene, in meinem Fall gelbe, Scheibe.

Sie bestand aus drei Ringen.

Im Äußeren: Der Ring des Ozeans.

Im Mittleren: Der Ring der fremden Länder.

Und im Inneren, in der Pupille des Ganzen: Lag Ägypten, das Zentrum der Welt.


Ich vermute mal grob, dass die Autorin hier wirklich den Versuch unternommen hat zu recherchieren. Ein Sarkophagdeckel aus der 30. Dynastie (nur 600 Jahre später...) eines gewissen Wereshnefer zeigt ein recht ähnliches Weltbild, wobei das die erste bekannte Darstellung dieser Art ist. Leider hat die Autorin das entweder nicht vollständig oder nicht richtig verstanden:

sw_WILAT_Weltbild_4

Ich gehe (weil das Bild in seinen Details wirklich faszinierend ist) mal von Außen nach Innen:

- die äußerste Sphäre bildet der durch die Himmelgöttin Nut (nackt) repräsentierte Himmel, der alles überspannt. Die Sonne wird nachts von ihr verschluckt und morgens wieder geboren, daher die Sonnenscheiben in ihrem Körper, am Mund und im Schoß.


- an Nuts Bauch seht ihr den Gott der Luft: Shu, der drei geflügelte Sonnenscheiben hält, von denen eine mit Sternen gefüllt ist


- ganz unten, zwischen Nuts Händen und Füßen, befindet sich der Erdgott Geb, der die Weltscheibe stützt. Das äußere rechtwinklige Armpaar bildet dabei die Hieroglyphe Ka, die für die Lebenskraft (und das Geben davon steht), das innere, kleinere Armpaar hält die Sonnenscheibe und ein ovales Zeichen, das die Hieroglyphe t3 „Land“ darstellt und dafür steht, dass Geb Sonnenscheibe und Land aus der Dunkelheit holt


- Dann kommen wir zur Scheibe in der Mitte: Da wird es etwas komplizierter, weil wir sie uns um 90 Grad nach hinten gekippt vorstellen müssen (für die Ägypter war die Welt eine Scheibe, keine Kugel). Wieder von Außen nach Innen:

- die beiden Frauen ganz rechts und links sind die Göttinnen des Ostens und Westens, der äußerste Ring repräsentiert den Urozean, auf dem die ganze Weltscheibe schwimmt, oben im Zenit wieder die geflügelte Sonne

- der nächste Ring zeigt im unteren Bereich die Fremdländer, repräsentiert durch Wiederholungen der Hieroglyphe „Bergland“, darüber stehen Sopdu und Ha als Götter der östlichen und westlichen Wüste, über ihnen befinden sich je 8 ausländische Häuptlinge. Im oberen Bereich dieses Rings ist ein Teil abgetrennt, der den Eingang in das ägyptische Totenreich symbolisiert: Wir sehen zwei Schakale (die für Anubis und/oder Wepwawet stehen), zweimal die Hieroglyphe für Wasser (für den Jenseitsfluss) und zweimal die Hieroglyphe für Haus oder Grab

- der dritte Ring ist mit den Zeichen der ägyptischen Gaue (Bezirke) ausgefüllt und repräsentiert Ägypten

- der genaue Beobachter erkennt jetzt, dass von der Darstellung des Eingangs des Totenreiches im zweiten Ring eine Lücke/ein Gang ins Zentrum der Scheibe führt. Dort sind wir dann ganz in Unter/Götterwelt mit Flügelsonnen, Sternen, sitzenden Gottheiten und co.


So. Das war die Kurzform einer Interpretation dieser Darstellung. Nochmal zum mitschreiben:

- die Interpretation dieser Darstellung durch die „Autorin“ ist falsch und lückenhaft, u.a. steht der innerste Kreis gerade nicht für Ägypten.

- ägyptische Symbolik und ihre Anordnung bedeuten Dinge und sind niemals, niemals rein dekorativ oder willkürlich angeordnet oder nach Lust und Laune veränderbar. Das ist letztendlich Religion, verdammt!

- Ägyptische Kunst ist lesbar und illustriert sehr genau komplizierte Zusammenhänge, auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht nur „hübsch“ erscheint, und gerade deshalb ist sie so großartig!


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 11 [siehe oben]

[...]


[Suelene will die Kiste zurückgeben, Stulonis will, dass sie sie aufmacht. Ein bisschen langweiliges Geplänkel...]


Sie suchte anscheinend nach einem Verschluss, bekam allerdings nur die geschnitzten Schutzformeln, die beflügelte Isis, das Uzatauge und das Ankh-Zeichen zu Gesicht die einfach irgendwie irgendwo auf die Schatulle geklatscht waren.


Ägyptische. Symbolik. Funktioniert. So. Nicht. -.-


„Brauchst du nen Tipp?“, fragte ich sie deshalb.


Aber Selene verneinte und biss sich auf die Lippen.Sie dachte angestrengt nach. Ich finde es ja sehr bezeichnet, was für eine intellektuelle Herausforderung es für Suelene zu sein scheint, eine verdammte Schatulle zu öffnen.


Doch dann hatte sie es! Sie schob den zweigeteilten Deckel, in der Mitte, auseinander und erstarrte.


[…]


„Für mich ist nicht Ägypten das Zentrum der Welt, sondern du Selene, auch wenn das nach unserem Glauben Ketzerei ist! Religion ist doch nicht so wichtig!. Allein du bist es“, klärte ich sie auf, als sie nach dem Inhalt des Kästchens griff.

Ein Meer aus Lilienblüten ergoss sich im Inneren der Schatulle.


Head ->desk


Lilien. Natürlich. Die Symbolpflanze der alten Ägypter schlechthin war die Lilie.

Du meinst Lotos! Aber diese ganzen weißen Blümchen sehen doch eh alle gleich aus. Nicht.

Nochmal zum mitschreiben:


Das ist eine weiße Lilie:

Lilium_longiflorum_(Easter_Lily)

Das ist eine weiße Lotosblüte:

1024px-Nymphaea_lotus_(1)

Eigentlich kaum zu verwechseln...

Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 12 [Lotos =/= Lilie -.-]


Eine Sinfonie der Treue, die dem eigentlichen „Geschenk“ lediglich als ausdrucksstarken Rahmen diente. Was auch immer eine „Sinfonie“ überhaupt sein mochte. Denn auf eine Prägung dieses Begriffes nach heutigem Verständnis müssen wir noch über 2000 Jahre warten. Hähä.[...]


Ich konnte es nicht glauben. Es war ein Verlobungsring. Dessen Konzept erst Papst Stephan I. in mehr als tausend Jahren erfinden sollte und der zu Beginn den Erhalt der Mitgift bestätigte... die hier nicht existiert. Aber gut -.-


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 13 [Verlobungsringe im alten Ägypten...aber sicher]


So kunstvoll aus schwarzem Stein geschliffen und mit blauer Farbe verziert.


Und damit ein weiteres Objekt, dass der Kerl sich gar nicht hätte leisten können. Schwarzer Stein, der sich zur Herstellung von so etwas Filigranem eignet, wäre im alten Ägypten vermutlich Onyx. Dazu braucht der Herr dann noch blaue Farbe und... was am unwahrscheinlichsten ist...die Möglichkeit einen Handwerker zu bezahlen, der in der Lage ist so ein Stück herzustellen und einen Schreiber, der die entsprechende Dekoration anbringt. Das konnte nicht jeder. Das waren Spezialisten. Gerade wenn man so einen Speschöl-Ring möchte, wie hier:


Von Außen bedeckt von der Gefahren abwehrenden Isis, dem Ankh und der Flügelsonne.

Auf. Einem. Schmalen. Fingerring. Für eine zierliche Frau mit (wahrscheinlich) dünnen Fingern. Ich sage nichts mehr zu der versauten ägyptischen Symbolik. Nichts -.-


Und im Inneren vollendet durch unsere in Rot und Weiß geschriebenen Namen. Die verwischt wurden, sobald jemand den Ring anzog, und die wir überhaupt nicht lesen konnten. Geniale Arbeit.


[Stulonis fragt, ob Suelene seine Frau werden möchte.]


„Du kennst meinen Vater, Solonis. Du weißt, er würde es nicht zulassen. Er würde uns niemals seinen Segen geben“, klagte ich traurig und strich verliebt über den Ring.


„Aber Selene, es ist nicht wichtig was dein Vater will oder nicht. Es ist entscheidend, was du willst. Auch wenn du dafür von deiner eigenen Familie verstoßen wirst und dein Vater mangels anderer Kinder im Alter verhungern wird!“, gab mir Solonis zu denken.


[...blabla natürlich will sie]


Ich steckte mir den Ring an, legte meine Hände auf Solonis starke Brust und entschied mich: „Ich will dich!“


That escalated quickly...O.o


[…] Denn wir wurden sogleich eingenommen von unbändiger Leidenschaft.Spürten die Flammen, die unsere Berührungen auslösten und genossen sie in vollen Zügen. Und schon wieder gehen sie in Flammen auf... so langsam verstehe ich, warum kein Mensch will, dass die beiden heiraten, wenn jedes mal das Viertel abfackelt, wenn sie knattern.


[...]

Ich küsste seinen Mund. Legte meine Lippen auf die seinen. Berührte mit meinen Labia Oris die Seinigen. Knutschte ihn hemmungslos.


Drückte mich fest an seinen Körper. Presste mich mit meinem dünnen Tunikakleid dicht an ihn. Stellte engen Körperkontakt her. Schmiegte mich an seine starke Brust. Wie oft muss ich das noch wiederholen, hä?!


Er stöhnte auf und ließ mich vor unstillbarer Begierde dahinschmelzen, sodass von mir nur noch eine schillernde Pfütze auf dem Fußboden blieb.


The End.


[…]


Ich drang also mit meiner Zunge in ihn ein und entbrannte vor aufflammender Hitze. In seinen Mund. Kinky wird es hier noch früh genug. Ihr und eure schmutzigen Gedanken!


[Blabla sabberknutsch blabla]


Solange, bis Solonis plötzlich von unseren ersten, richtigen Kuss abließ und warnte:


„Wir dürfen das nicht, Selene. Wir sind noch nicht verheiratet. Die gesellschaftlichen Konventionen verbieten es uns.“


Ähm.... die beiden sind seit vier Jahren ein Paar und haben sich gerade das erste Mal geküsst? Ernsthaft? So prüde waren die alten Ägypter nun wirklich nicht. Und das hat sie jetzt so aufgeregt, dass sie gleich pimpern gehen müssen? Nach vier Jahren?!


[…] Ich führte ihn zum hintengelegenen Lagerraum. Brachte ihn direkt vor jene hölzerne Leiter, welche im Obergeschoss, in meinem Zimmer, endete.


Ähm... kaum ein ägyptisches Haus armer Leute hatte ein echtes Obergeschoss. Diese Leiter führte -wenn überhaupt- aufs Dach, das als Wohn- und Schlafbereich genutzt werden konnte. Dort befand sich dann vielleicht eine Laube aus Schilfrohr o.Ä.., kein eigenes Schlafzimmer für die Sue des Hauses. In der Regel schlief bei so armen Leuten die ganze Familie in einem Raum auf Matten, die dafür abends ausgerollt wurden.


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 14 [siehe oben]


Ich lächelte ihn an, ehedem ich emporstieg und war hingerissen als ich bemerkte, dass er es nicht wagte unter meine Tunika zu linsen. Vielleicht hat der Mann aber auch einfach nur so etwas wie Anstand und Benehmen. […] Denn nur ein Blick hätte genügt, um meine freiliegende Scham zu begutachten.


Ähm... was hat die denn da an?! Wenn dein Kleid so kurz ist, dass er drunter gucken und deine Vagina sehen kann, wenn du eine Leiter hochkletterst, hast du alles an, aber keine ägyptische Frauentracht O.O

Es gab durchaus einige Kleider, bei denen die Brüste unbedeckt blieben, oder kleine Kinder oder Tänzerinnen, die gleich nackt dargestellt wurden, oder Kleider, die aus so dünnem Stoff waren, dass durchsichtig waren, aber auch diese reichten immer bis unters Knie. Was also hat sie da an?!


Re-Cherche ist keine Tochter des Re: 15 [So funktioniert ägyptische Frauentracht nicht]

Und zum Abschluss noch einmal die arme Re-Cherche... diesmal zusammen mit ihren (korrekt bekleideten) Schwestern:

20120215-Funeral Procession_Ramose_001

[…]


Das war es für diesen Teil. Den Nächsten werde ich friends-locked posten, weil es da expliziter zugeht, nur als Warnung ;)



Tags: fandom : original : 401-450, genre : mary sue/gary stu : 851-900, jaeger : drol_moldevort 051-100, verrisse : 1451-1500
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